Studierende der HöV unternahmen eine intensive thematische Reise nach Ruanda. Zwei Tage lang setzten sie sich mit der langjährigen Länderpartnerschaft Rheinland-Pfalz – Ruanda auseinander und diskutierten die Rolle der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit. Neben inspirierenden Erfahrungsberichten und interaktiven Diskussionen bot das Programm auch Anlass zu einer kritischen Reflexion der internationalen Kooperation. Das Projekt wurde von Dozent Michael Eckhardt und der Dozentin Dr. Martina Ludwig geleitet.
Verwaltungsaustausch und nachhaltige Projekte
Zum Auftakt stellte Katharina Krings aus dem "Ruanda-Referat" der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz die seit 1982 bestehende Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda vor. Neben der geopolitischen Lage und den Chancen der Zusammenarbeit wurden auch Herausforderungen angesprochen, die sich in einem sich wandelnden globalen Kontext ergeben. Dabei spielte insbesondere die Rolle der Graswurzelpartnerschaften und deren Einfluss auf eine nachhaltige entwicklungspolitische Zusammenarbeit eine zentrale Rolle. Michael Eckhardt präsentierte im Anschluss die Beteiligung der HöV am kommunalen Verwaltungsaustausch. Besonders das "Train-the-Trainer"-Programm mit RALGA (Ruandischer Gemeinde- und Städtebund) und dem LGI (Fortbildungsinstitut von RALGA) stieß auf Interesse. Dabei wurden bereits 36 ruandische Multiplikator Innen ausgebildet, die ihr Wissen in ihren Gemeinden weitergeben. Ein weiterer Programmhöhepunkt war der Vortrag von Dr. Lale Heim, die sich seit 2006 in Ruanda engagiert. Sie berichtete über Bildungsinitiativen und soziale Projekte, die das Leben vieler Frauen und Kinder verbessern. Ihr Vortrag verdeutlichte eindrucksvoll die Chancen solcher Engagements, zeigte aber auch die Abhängigkeit von Spenden und externe Hilfe, die langfristig hinterfragt werden muss.
Kommunale Partnerschaften und kritische Reflexion
Am zweiten Tag standen kommunale Kooperationen im Fokus. Aus der Praxis der Verbandsgemeinde Hachenburg berichteten Marco Dörner (Erster Beigeordneter) und Harald Schneider über die Zusammenarbeit mit dem Distrikt Gisagara. Sie stellten erfolgreiche Projekte vor und diskutierten, wie eine neue Kooperation der Verbandsgemeinde mit dem Afrika Zentrum der Universität Koblenz neue Impulse setzen kann. Dr. Martina Ludwig präsentierte die noch junge Partnerschaft der HöV mit der ruandischen Hochschule INES Ruhengeri. Ziel ist es, den Austausch im Bereich Verwaltung und Recht zu intensivieren und Studierenden sowie Lehrenden internationale Perspektiven zu eröffnen. In einer Arbeitsphase entwickelten die Teilnehmenden Ideen für die Weiterentwicklung dieser Partnerschaft. Gleichzeitig wurde in den Diskussionen ein kritischer Blick auf die regionalen Spannungen und den anhaltenden Kämpfen in der Demokratischen Republik Kongo geworfen. Insbesondere der anhaltende Konflikt im Ost-Kongo, bei dem Ruanda wiederholt in den Fokus internationaler Kritik gerät, zeigt, dass Entwicklungspartnerschaften nicht isoliert betrachtet werden können. Die Studierenden reflektierten, inwiefern solche Konflikte die Kooperation beeinflussen und ob entwicklungspolitische Projekte auch geopolitische Verantwortung mittragen sollten.
Fazit: Engagement mit Weitblick
Die Abschlussreflexion verdeutlichte die Begeisterung der Teilnehmenden für das Projekt, aber auch das Bewusstsein für die komplexen Herausforderungen in der internationalen Zusammenarbeit. Die HöV ermutigt Studierende und Mitarbeitende, sich weiterhin aktiv an der Partnerschaft mit INES Ruhengeri zu beteiligen – mit einem offenen Blick für die Chancen der Partnerschaft zwischen Menschen aber auch einer kritischen Haltung gegenüber den historischen und aktuellen politischen Zusammenhängen.