Für das März-Interview sprechen wir erstmals mit einer HöV-Absolventin: Theresa Lambrich. Sie hat ihren Bachelor Allgemeine Verwaltung 2020 an der HöV Rheinland-Pfalz in Mayen abgeschlossen und arbeitet heute in Paris als Verwaltungsleiterin am Deutschen Forum für Kunstgeschichte.
Im Interview berichtet sie, wie sie in den öffentlichen Dienst gefunden hat, was sie aus dem Studium bis heute begleitet und welche Wege sich nach dem Abschluss öffnen können, auch jenseits des Erwartbaren.
Nehmen Sie uns mit in den Moment, als Paris zur beruflichen Option wurde: Welcher Auslöser hat den Ausschlag gegeben, und was war Ihr erster konkreter Schritt?
Frankreich hat mich schon lange fasziniert, ganz ohne familiäre Bezüge oder einen „logischen“ Anlass. Sprache, Kultur und das Savoir Vivre haben mich einfach angesprochen. Gleichzeitig wollte ich unbedingt einmal längere Zeit im Ausland leben. Als ich mich für das duale Studium an der HöV entschied und mir klar wurde, dass danach direkt der Einstieg ins Berufsleben folgt, dachte ich: Das Gastpraktikum könnte die letzte gute Gelegenheit sein.
Ich habe deshalb ab der ersten Praxisphase gezielt deutsche Einrichtungen in Frankreich kontaktiert. Am Deutschen Forum für Kunstgeschichte (DFK) Paris kam ich mit Ralf Nädele, dem damaligen Verwaltungsleiter, direkt ins Gespräch. Daraus wurde eine Bewerbung, anschließend gab es Abstimmungen mit meinem Dienstherrn. Eineinhalb Jahre später startete meine dreimonatige Praxisphase am DFK.
Die Arbeit dort hat mich nachhaltig fasziniert: ein interkulturelles Umfeld, selten Standardlösungen, dafür viel Gestaltungsspielraum. Für mich war danach klar, dass ich nach Frankreich zurück möchte. 2021 wurde am DFK eine Stelle im Bereich Finanzen vakant, mitten in der Corona-Zeit und mit einer Fernbeziehung. Keine leichten Startbedingungen, aber eine Chance, die ich ergreifen wollte, und nie bereut habe.
Gleichzeitig war Schreiben immer meine große Leidenschaft, und mein Traum war Pressearbeit in einer öffentlichen Einrichtung. Diese Möglichkeit ergab sich später bei der Stadt Koblenz. Auch deshalb ging es 2022 zunächst zurück nach Deutschland, beruflich wie privat eine sehr gute Zeit.
Dann wurde im Sommer 2025 die Stelle der Verwaltungsleitung am DFK vakant. Das war meine Traumstelle, vor der ich großen Respekt hatte, aber auf die ich mich bewerben musste.
Was hat Sie ursprünglich in den öffentlichen Dienst gezogen? Gab es ein Bild von „Verwaltung“, das sich später komplett verändert hat?
Ich war schon immer politisch interessiert und habe mich früh im Jugend- und später Gemeinderat engagiert. Gleichzeitig war Schreiben meine große Leidenschaft. In der Oberstufe habe ich ein Praktikum in der Pressestelle des Innenministeriums RLP absolviert. In meinem Leben waren es ganz oft Begegnungen, die viel verändert haben. Und die direkte Ansprache von Menschen, der Griff zum Hörer, der Kontakt.
Mein damaliger Praktikumsbetreuer David Freichel hat mich sehr inspiriert. Wahrscheinlich ist er sich der Konsequenzen dieses Praktikums auf meinen Werdegang gar nicht bewusst. (lacht) Jedenfalls war danach klar, dass ich im Pressebereich für eine öffentliche Einrichtung arbeiten möchte. Eine Tätigkeit, die für mich Sinn stiftet und bei der ich zudem mein Faible für Sprache ausleben konnte.
In der Folge ging ich ganz pragmatisch vor und fragte mich: Wie gelingt es, dieses Ziel zu erreichen? Im schriftstellerischen Bereich fühlte ich mich durch die freie Mitarbeit bei der Rhein-Zeitung sicher, es galt also, die „Inhalte“ zu verstehen; die Funktionsweise der öffentlichen Verwaltung. Und weil ich durch und durch Rheinland-Pfälzerin bin - was ich nur schwerlich leugnen kann, sobald ich zwei Sätze gesprochen habe - sollte es die HöV werden.
Eine Situation aus Ihrem heutigen Alltag als Verwaltungsleiterin in Paris: Wo merken Sie am deutlichsten, dass Sie „Mayen im Werkzeugkasten“ haben? Gern mit einem konkreten Beispiel.
Insbesondere die Methoden aus dem Bereich OPW (Anmerkung der Redaktion: Organisationsmanagement und Personalwirtschaft) haben mich sehr geprägt. Ich hatte vermutlich unterbewusst eine gewisse Herangehensweise, zielorientiert vorzugehen, aber in Mayen habe ich gelernt, ganz Ziele und Etappen systematisch zu definieren. Das habe ich gemerkt, als ich anfing, nach einem Job in Frankreich zu suchen und mich hierauf vorzubereiten mit Sprachkursen, Prüfungen und Fortbildungen.
Zuletzt habe ich mich mit der Aufgabe konfrontiert gesehen, eine Partnereinrichtung für ein neues Fellowship-Programm in Paris zu finden. Als kleine, deutsche Gasteinrichtung gar keine so leichte Aufgabe. Auch hier hat mir ein geordnetes und zielorientiertes Vorgehen (und der persönliche Austausch mit den richtigen Ansprechpartnern) sehr geholfen. Ganz konkret hilft mir diese Struktur auch heute, zum Beispiel bei Projekten, in denen wir neue Partner gewinnen müssen.
Den Job „Verwaltungsleiterin“ kann man nicht eins zu eins in einer Hochschule lernen, erst recht nicht im internationalen Kontext. Systeme greifen oft nicht nahtlos ineinander, auch innerhalb Europas nicht. In Mayen lernt man aber, typische Fallstricke zu erkennen und Kriterien so abzuwägen, dass Entscheidungen rechtssicher und gut vertretbar sind. So findet man auch Antworten auf die Frage, unter welchen Voraussetzungen einem freiberuflichen Schweizer von einer deutschen Stiftung als Zuwendungsempfängerin für in Frankreich erbrachte Leistungen Honorare gezahlt werden können und wie es sich dann mit Steuer- und Sozialversicherungsabgaben verhält.
Welche Fähigkeit hat die HöV RLP bei Ihnen am stärksten trainiert, die außerhalb der Verwaltung oft unterschätzt wird, und woran erkennt man diese Fähigkeit in der Praxis?
Kreative Lösungen zu finden und Initiative zu ergreifen. Wenn man mit einem Studium, das auf eine Laufbahn in der öffentlichen Verwaltung vorbereitet, ins Ausland möchte, braucht man genau das.
An der HöV gibt es neben dem „Pflichtprogramm“ viel Raum, sich einzubringen und entlang der eigenen Interessen zu entfalten - wenn man dies wirklich will.
In meinem Fall waren das das (journalistische) Schreiben und Fremdsprachen. Themen, die nicht automatisch im Mittelpunkt des Studiums stehen. Aber über Projekttage, durch den Austausch mit Dozentinnen und Dozenten (Die mich immer wieder wunderbar unterstützt haben, merci!), als Mitglied der Studierendenvertretung und auf vielen weiteren Wegen lassen sich Möglichkeiten finden, eigene Schwerpunkte in den Studienalltag zu integrieren. „Quand on veut, on peut!“ (Anmerkung der Redaktion: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“) Das passt für mich sehr gut.
Ich hoffe, dass Studierende den Mut haben, genau das auszuprobieren: Initiative ergreifen, eigene Schwerpunkte setzen und Chancen aktiv anstoßen.
Was würden Sie Studierenden mitgeben, die gerade sehr auf Leistung und Prüfungen fokussiert sind: Was sollte man im Studium in Mayen bewusster mitnehmen, und was kann man im Alltag vor Ort ruhig mehr genießen?
Liebe Studierende: Ihr lernt nicht nur für Klausuren oder einen Abschluss. Mir kam dieser Satz damals wahrscheinlich auch zu den Ohren heraus, aber ich wünschte, ich hätte ihn noch ernster genommen. Rückblickend ärgere ich mich, dass ich in Mayen stellenweise sehr klausurorientiert gelernt habe. Das kann ich ja jetzt sagen. (lacht)
Mir ist bewusst, dass die Stofffülle stellenweise eine echte Herausforderung ist. Gleichzeitig ist sie aber auch ein Geschenk: Nie wieder wird euch essentielles Wissen für den Berufsalltag so komprimiert zugänglich gemacht. Und einiges muss ich mir heute im Berufsalltag mühsamer anlesen. Paradoxerweise habe ich in meinem späteren, berufsbegleitenden, freiwilligen Masterstudium der Politikwissenschaften wesentlich intensiver gelernt und davon enorm profitiert. Genau deshalb weiß ich, wovon ich spreche, wenn ich sage: Macht es in Mayen besser, saugt alles Wissen auf wie ein Schwamm, aber verliert euch nicht in reiner Prüfungslogik.
Außerdem rate ich euch: Folgt im Studium nicht nur dem einfachsten Weg, sondern auch euren Überzeugungen und Leidenschaften. Ein Projekt neben dem stressigen Fachstudium II wirkt im ersten Moment wie zusätzlicher Aufwand, zahlt sich aber oft durch Begegnungen und echte Lernkurven aus. Und nutzt unbedingt die besondere Chance des Auslandspraktikums: Gerade in einem interkulturellen oder wissenschaftsnahen Umfeld sind Abläufe selten eindeutig, vieles entsteht im Austausch, und man muss selbst Verantwortung übernehmen und gestalten. Genau zwischen Begeisterung und gelegentlicher Überforderung liegen häufig die größten Entwicklungsschritte.
Und last but not least: Macht euch bewusst, welche Möglichkeiten euer Abschluss eröffnet. Das Studium vermittelt euch vielseitige Fähigkeiten. Der nächste Schritt ist, daraus euren eigenen Weg zu bauen, mit Initiative, Neugier und dem Mut, auch mal außerhalb der Komfortzone zu lernen.

