Inside HöV/ZVS - Im Gespräch mit Sabine Bersch

Sabine Bersch kennt die Hochschule für öffentliche Verwaltung Rheinland-Pfalz aus mehreren Perspektiven: als Absolventin des Studiengangs Verwaltungsbetriebswirtschaft, als abgeordnete Mitarbeiterin während der Akkreditierungsvorbereitung zur Umstellung auf die Bachelorstudiengänge, als frühere Lehrbeauftragte und seit Sommer 2024 als hauptberufliche Dozentin.

Nach beruflichen Stationen bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, beim Rechnungshof Rheinland-Pfalz und beim Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung bringt sie vielfältige Verwaltungserfahrung in die Lehre ein. In den Studiengebieten Öffentliche Betriebswirtschaftslehre und Öffentliches Finanzmanagement vermittelt sie insbesondere Inhalte des Kommunalen Abgabenrechts und des Internen Rechnungswesens.

In unserer Reihe „Inside HöV/ZVS“ spricht Sabine Bersch darüber, was sie persönlich an Zahlen, wirtschaftlichen Zusammenhängen und dem Blick hinter Verwaltungsentscheidungen reizt. Außerdem geht es um den Wert praxisnaher Lehrformate und warum sie den Weg über HöV und ZVS auch jungen Menschen empfiehlt, die sich für eine Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung interessieren. 

 

„Frau Bersch, Sie haben selbst Verwaltungsbetriebswirtschaft an der HöV RLP studiert. Wenn Sie heute auf Ihre eigene Studienzeit zurückblicken: Was hat Sie damals geprägt und was möchten Sie heutigen Studierenden aus dieser Erfahrung mitgeben?"

Was mich damals besonders geprägt hat, war die Erkenntnis, dass kontinuierliches Lernen der wichtigste Schlüssel zum Erfolg ist. In unseren anspruchsvollen Studiengängen bauen die Lerninhalte aufeinander auf. Wenn man Inhalte nicht regelmäßig nacharbeitet, wird es zunehmend schwieriger, den Lehrveranstaltungen zu folgen, und das Studium kann schnell belastender und stressiger werden.

Sicherheit entsteht deshalb nicht durch kurzfristiges Auswendiglernen, sondern durch das stetige Beschäftigen mit den Themen. Dadurch wird der Stoff mit der Zeit verständlicher und besser handhabbar. Gleichzeitig habe ich erlebt, dass Lernen deutlich stressfreier wird, wenn man frühzeitig dranbleibt und sich Schritt für Schritt mit den Inhalten auseinandersetzt.

Mit den ersten Erfolgen wächst dann auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – und genau dadurch kann Lernen sogar Spaß machen. Diese Erfahrung möchte ich heutigen Studierenden mitgeben: Kontinuität schafft Sicherheit, reduziert Druck und motiviert langfristig.


„Nach Ihrer ersten Station bei der SGD Nord im Bereich Gewerbeaufsicht haben Sie Ihren beruflichen Weg stärker in Richtung Rechnungswesen, Prüfung und Finanzmanagement weiterentwickelt. Was hat Sie persönlich an Zahlen, wirtschaftlichen Zusammenhängen und dem Blick hinter Verwaltungsentscheidungen gereizt?"

Mich hat an Zahlen und wirtschaftlichen Zusammenhängen immer fasziniert, dass Zahlen, Daten und Fakten Abläufe transparent und nachvollziehbar machen. Hinter Zahlen stehen Prozesse, Entscheidungen und Entwicklungen, deren Ursachen und Auswirkungen man analysieren kann.

Gerade im Rechnungswesen und Finanzmanagement erkennt man, wie eng verschiedene Bereiche miteinander verbunden sind. Besonders gereizt hat mich dabei die Kombination aus analytischem Denken, praktischer Anwendung und der Möglichkeit, auf Grundlage fundierter Zahlen Entscheidungen zu unterstützen und Prozesse zu optimieren.

 

„Internes Rechnungswesen klingt zunächst nach einem Spezialthema. Tatsächlich geht es dabei aber auch um Steuerung, Verantwortung und den Umgang mit öffentlichen Ressourcen. Warum ist dieses Wissen für Kommunal- und Landesbehörden so wichtig?"

Das interne Rechnungswesen ist für Kommunal- und Landesbehörden heute wichtiger denn je, weil sie mit wachsenden Aufgaben, steigenden Kosten und zunehmend angespannten Haushaltslagen konfrontiert sind. Für mich zeigt sich gerade hier, wie wichtig ein wirtschaftlicher und verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Mitteln ist.
Ich finde, dass das Interne Rechnungswesen bzw. die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) dabei eine zentrale Rolle spielt. Sie macht transparent, wo Kosten entstehen und wie wirtschaftlich einzelne Bereiche arbeiten.  Zum anderen zeigt sie, welche Leistungen welche Kosten verursachen. Nur wenn diese Informationen vorliegen, können aus meiner Sicht Optimierungspotenziale erkannt sowie fundierte und nachvollziehbare Entscheidungen getroffen werden.

Hinzu kommt auch der rechtliche Aspekt. So bildet nach dem rheinland-pfälzischen kommunalen Abgabengesetz die KLR die Grundlage für die Kalkulation von Benutzungsgebühren, beispielsweise bei Abfall-, Wasser- und Abwasserbetrieben. Ohne ein funktionierendes Internes Rechnungswesen wäre eine verursachungsgerechte und transparente Gebührenkalkulation kaum möglich.

Während die Kameralistik und die kommunale Doppik, also das an Rechtsvorschriften orientierte und nach außen gerichtete Rechnungswesen, vor allem bereits angefallene Einnahmen, Ausgaben, Erträge und Aufwendungen abbilden, ermöglicht die KLR zusätzlich eine zukunftsorientierte Planung und ist damit Grundlage von Kalkulation und Steuerung. Ich finde, gerade im öffentlichen Bereich ist das besonders wichtig, um langfristig handlungsfähig zu bleiben und mit begrenzten finanziellen Mitteln verantwortungsvoll umzugehen.

Deshalb halte ich das interne Rechnungswesen nicht nur für ein technisches Spezialthema, sondern für ein wichtiges Steuerungsinstrument moderner Verwaltung.



„Sie waren viele Jahre in der Verwaltungspraxis tätig und haben die HöV RLP bereits früh als Lehrbeauftragte begleitet. Was hat Sie daran gereizt, Ihre Erfahrungen dauerhaft in die Lehre einzubringen?"

Mich hat vor allem gereizt, Wissen und eigene Praxiserfahrungen an Studierende weiterzugeben und Theorie mit Verwaltungspraxis zu verbinden. Gerade durch die langjährige Tätigkeit in der Praxis kann ich viele konkrete Erfahrungen in die Lehre einbringen.

Außerdem sehe ich es als wichtige Aufgabe, die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte aktiv mitzugestalten – insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels. Gleichzeitig lernt man durch die Lehre auch selbst ständig weiter, bleibt fachlich und persönlich in Entwicklung und ist durch den Austausch mit Studierenden und aktuellen Themen immer nah am Puls der Zeit.

 

„Bei den Projekttagen zur Digitalisierung im kommunalen Abgabenrecht haben Studierende im Februar dieses Jahres erlebt, wie eng rechtliche, organisatorische, technische und finanzielle Fragen zusammenhängen. Warum sind solche Praxisformate aus Ihrer Sicht wichtig für Studium und spätere Verwaltungspraxis?"

Solche Praxisformate sind aus meiner Sicht wichtig, weil sie den Studierenden zeigen, wie eng die verschiedenen Bereiche der Verwaltung miteinander verbunden sind. Gleichzeitig fördern sie wichtige Methodenkompetenzen, etwa in der Rechtsanwendung, bei Recherchetätigkeiten und Präsentationstechniken.

Darüber hinaus stärken sie Teamarbeit, Sozialkompetenz und selbstständiges Arbeiten. Besonders wertvoll ist, dass die Studierenden sich mit Themen beschäftigen können, die sie persönlich interessieren und motivieren. Gleichzeitig gewinnen sie praxisnahe Einblicke, lernen auch andere Behörden als ihre Ausbildungsbehörde kennen und können frühzeitig berufliche Kontakte und Netzwerke aufbauen.

 

„Sie haben auch Ihre beiden Geschwister motiviert, den Weg über HöV und ZVS zu gehen. Was würden Sie jungen Menschen sagen, die überlegen, ob Ausbildung oder Studium in der öffentlichen Verwaltung zu ihnen passt?"

Ich würde jungen Menschen empfehlen, diesen Weg in Betracht zu ziehen, wenn sie Interesse an rechtlichen, finanzwirtschaftlichen oder betriebswirtschaftlichen Themen haben. Gerade die öffentliche Verwaltung bietet ein sehr vielfältiges Aufgabenspektrum, sodass unterschiedliche Interessen und Stärken ihren Platz finden.

Durch die breite Ausbildung und das Studium stehen einem später viele Türen offen, den eigenen Traumjob innerhalb der öffentlichen Verwaltung zu finden. Je nach den eigenen Interessen kann der berufliche Schwerpunkt eher im rechtlichen, organisatorischen oder wirtschaftlichen Bereich liegen.

 

„Sie kennen die HöV/ZVS aus verschiedenen Perspektiven: als Absolventin, abgeordnete Mitarbeiterin, Lehrbeauftragte und heutige Dozentin. Wenn Sie die Hochschule in drei Worten beschreiben müssten: Welche wären das und warum?"

Ich würde die Hochschule mit den drei Worten „fundiert“, „praxisnah“ und „aktuell“ beschreiben:

  • „Fundiert“, weil die Studierenden fachlich fundiert und auf hohem Niveau ausgebildet werden.
  • „Praxisnah“, weil die Inhalte eng mit den tatsächlichen Anforderungen der öffentlichen Verwaltung verknüpft sind. 
  • Und „aktuell“, weil Entwicklungen in Recht, Verwaltung und Digitalisierung kontinuierlich aufgegriffen und in die Lehre eingebunden werden und die Hochschule gleichzeitig offen für Veränderungen sowie zeitgemäße Lehrmethoden ist.

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