Von 1984 bis 1987 studierte Matthias Heck an der damaligen Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Mayen. Sein beruflicher Weg führte ihn anschließend von der Kreisverwaltung Daun über die Stadt Koblenz bis ins Innenministerium Rheinland-Pfalz, wo er heute als Ministerialrat in der Staatsrechtsabteilung tätig ist.
Im Interview erinnert er sich an seine Studienzeit, besondere Menschen und so manche Anekdote aus den Lehrveranstaltungen. Er spricht außerdem über seinen Weg in den höheren Dienst, darüber, was ihm das Studium für seine berufliche Laufbahn mitgegeben hat, und warum es ihm bis heute wichtig ist, sich auch über die eigenen Aufgaben hinaus einzubringen.
Anlässlich des 45-jährigen Bestehens der HöV und des 50-jährigen Bestehens der ZVS richtet er den Blick schließlich auf die heutige Generation und darauf, welche Verantwortung Beschäftigte im öffentlichen Dienst für den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat tragen.
„Herr Heck, Sie haben von 1984 bis 1987 an der damaligen Fachhochschule für öffentliche Verwaltung studiert und während des Grundstudiums in Mayen gewohnt. Woran erinnern Sie sich besonders gerne, wenn Sie an Ihre Studienzeit und das Leben in Mayen zurückdenken?"
(Lacht.) Es sind NICHT die Mayener Diskotheken und es ist NICHT der Lukasmarkt, die mir dabei zuerst einfallen. Wenn ich an Mayen denke, habe ich immer das Bild des verdrehten Kirchturms einer dortigen Innenstadtkirche vor Augen. Und mir fällt die prekäre Parkplatzsituation vor der damaligen FHöV ein. Vor allem freitags gab es immer den Wettbewerb, wer an der St.-Veit-Straße auf der Pole Position stand. Unser Wunsch, nach den Unterrichtstagen möglichst rasch aus Mayen wegzufahren, ist jetzt nicht unbedingt eine Hommage an die Stadt, war aber unter uns Anwärtern die übliche Perspektive, auch wenn Mayen wirklich ein schönes Städtchen ist und viel zu bieten hat.
„Sie haben während Ihres Studiums sogar Anekdoten aus den Lehrveranstaltungen und dem Hochschulalltag gesammelt. Welche davon sind Ihnen bis heute besonders in Erinnerung geblieben?"
Unser Liebling unter den Dozenten war Regierungsdirektor Stumm, obwohl sein Fach „Allgemeines Verwaltungsrecht“ nicht gerade zu den spannendsten gehörte. Deshalb ist er mir vor allem als Mensch in Erinnerung geblieben. Und natürlich seine Vorstellung in der allerersten Stunde: „Guten Tag, mein Name ist Stumm. Ich erzähl‘ viel von zu Hause. Wenn der Lehrgang ‘rum ist, wissen Sie nix von AVR, aber Sie kennen die ganze Familie Stumm!“
Auch andere Lehrkräfte sind mir mit ihren Sprüchen bis heute im Gedächtnis geblieben. Im Baurecht erläuterte Dr. Klameth beispielsweise, man dürfe nicht stilfremd in eine Umgebung bauen, und machte das am Beispiel einer Frittenbude an der Porta Nigra fest: „Auch wenn der sagt, er würde sich dem Stil der Porta Nigra anpassen, z. B. die Fritten nur in 2000 Jahre altem Öl braten.“
Aber immerhin scheinen wir Anwärter auch die Dozenten gut unterhalten zu haben, sonst hätte unser Beamtenrechtsdozent Heiden nicht festgestellt: „Eine Kappensitzung im Karneval ist ein Totenschmaus im Vergleich zum Unterricht bei Ihnen!“
„Ihr beruflicher Weg führte Sie von der Kommunalverwaltung bis in das Innenministerium und schließlich in den höheren Dienst. Welche Entscheidungen, Erfahrungen oder Menschen waren für diese Entwicklung besonders wichtig?"
Mein Vater, der selbst Beamter des gehobenen Dienstes gewesen war, verstarb sehr früh, als ich gerade 17 Jahre alt war, und konnte mich daher nicht davon abhalten oder mich gar davor warnen, als ich mich um meine Abiturzeit herum bei einer Kreisverwaltung als Inspektoranwärter bewarb – was er bestimmt getan hätte.
Meine ersten Jahre als Anwärter, als Inspektor im Sozialamt einer rheinland-pfälzischen Großstadt und auch noch die Anfangszeit bei der Landesregierung waren oft kein Zuckerschlecken. Gerade die Zeit, als aufgrund des Zusammenbruchs des Ostblocks Hunderttausende Aus- und Übersiedler nach Deutschland kamen und ich für deren Eingliederung und vorläufige Unterbringung mitverantwortlich war, hat mich geprägt. Sich durch schwierige Phasen durchgebissen zu haben, stärkt das Selbstbewusstsein.
Ebenso wichtig war für mich, das Vertrauen von Vorgesetzten zu genießen, die einem Lob für eine konkrete Arbeit aussprechen oder einem auch mal zutrauen, als – überspitzt – „kleiner Sachbearbeiter“ Rheinland-Pfalz in einem aus lauter Juristen bestehenden Bund-Länder-Arbeitskreis unter Vorsitz eines Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesinnenministerium zu vertreten.
Dazu gehört aber nicht nur, keine Angst vor den vielzitierten großen Tieren zu haben, sondern immer auch, sich fachlich gut vorzubereiten und sich im Zweifelsfall auch einmal persönlich zurücknehmen zu können. Genauso wichtig ist es, sowohl mit gleichrangigen als auch mit dienstlich unterstellten Kolleginnen und Kollegen ein gutes Verhältnis aufzubauen. Man muss mit den Kolleginnen und Kollegen nicht jeden Abend Feste feiern, sollte sich aber als Gemeinschaft begreifen, die gemeinsam ein dienstliches Ziel erreichen möchte und viel Lebenszeit miteinander verbringt. Da muss man sich fachlich wie auch als Mensch einbringen und auf andere zugehen.
„Welche Grundlagen aus Ihrem Studium in Mayen haben Sie auf diesem Weg begleitet?"
Als Erstes sicher die solide fachliche Ausbildung. Natürlich benötigt man im späteren beruflichen Leben nicht mehr alle in Mayen gelehrten Fächer. Aber ein rechtliches Grundgerüst und eine gewisse Problemlösungskompetenz erworben zu haben und – das gehört für mich als genauso wesentlich dazu – ein fachliches Ergebnis präsentieren und „verkaufen“ zu können, ist für die spätere Arbeit unabdingbar. Was nützt das beste Fachwissen, wenn ich meine fachliche Entscheidung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern oder dem Vorgesetzten oder meinen Mitarbeitenden nicht vermitteln und begründen kann!
Deshalb schätze ich im Nachhinein neben den vielen Unterrichtsstunden an der Hochschule vor allem die interaktiven Lernsituationen als bedeutsam ein. Dazu gehörte beispielsweise ein Planspiel, bei dem man selbst einmal die Rolle eines in der Öffentlichkeit stehenden Bürgermeisters übernahm, mit all seiner Verantwortung und den simulierten Angriffen des politischen Gegners. Oder Beratungssituationen, in denen wir uns damit beschäftigten, wie das eigene Verwaltungshandeln beim Gegenüber ankommt. Auch Exkursionen zum Landtag oder zu anderen Behörden halfen dabei, über den Tellerrand des eigenen Schreibtischs hinauszuschauen.
„Sie engagieren sich seit vielen Jahren über Ihre eigentlichen beruflichen Aufgaben hinaus, unter anderem im Personalrat und in der Wandergruppe des Ministeriums sowie als Dirigent des Ministeriumschores. Warum ist dieses Engagement für Sie wichtig und welche Bedeutung hat ehrenamtlicher Einsatz aus Ihrer Sicht für unsere Gesellschaft?"
Ich glaube, das ist für mich persönlich die wichtigste Erkenntnis aus meinen mittlerweile 42 Dienstjahren: Bring dich ein! Engagier dich! Trag etwas dazu bei, dass es in deinem Umfeld erträglicher, erfolgreicher, gerechter, menschlicher, unterhaltsamer oder auch mal ein bisschen humorvoller zugeht!
Das gilt nicht nur für den Beruf und die Arbeitsstelle, sondern auch für das private Leben. Sich auf diese Weise zu engagieren ist übrigens nicht nur altruistisch, also ein Gewinn bloß für andere. Wenn Sie sich engagieren, werden Sie feststellen, dass es Sie auch persönlich befriedigt, dass es Ihnen Erfolgserlebnisse verschafft, dass es Ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten erweitert. Natürlich gelingt nicht alles, denn beispielsweise in einem Personalrat werden Sie nie alle Vorstellungen durchsetzen können und regelmäßig auch Niederlagen verdauen müssen. Aber das Gefühl, sich für andere einzusetzen, ein Gewinn für andere zu sein, wird auch Sie bereichern.
Mir selbst war immer die Fort- und Weiterbildung wichtig. Egal ob ich bei Wohlfahrtsverbänden Sozialhilferecht unterrichtete, im Kommunalen Studieninstitut Öffentliches Dienstrecht lehrte oder – eine Besonderheit bei der Landesregierung – seit vierzehn Jahren die Kolleginnen und Kollegen in Gesetzestechnik und Rechtsförmlichkeit schule, ist die Lehrtätigkeit für mich zugleich fachliche Herausforderung, didaktisches Wissensvermittlungstraining und ein Lehrstück im Umgang mit Menschen. Darüber hinaus lässt mich mein inzwischen zwanzig Jahre andauerndes Engagement als Gründer und musikalischer Leiter des MdI-Chores, der regelmäßig bei dienstlichen und manchmal auch privaten Anlässen auftritt, über die fachliche auch hobbymäßige Kompetenz einbringen. Schließlich sorge ich als Wanderführer der MdI-Wandergruppe dafür, dass auch die körperliche Bewegung und die Gesunderhaltung nicht zu kurz kommen. Das alles braucht Zeit, unter Umständen sogar viel Zeit, fürs Organisieren genauso wie für die Vortragserstellung. Aber der Aufwand lohnt sich.
„Sie waren bei der Feier zum 45-jährigen Bestehen der HöV und zum 50-jährigen Bestehen der ZVS zu Gast. Welche Erinnerungen wurden dabei wach und was möchten Sie den heutigen Studierenden und Lehrgangsteilnehmenden für ihren eigenen Weg mitgeben?"
Bei der Feier wurden vor allem Erinnerungen an die Menschen wach, die ich in meiner Mayener Zeit getroffen und erlebt habe: die Mitstudierenden in meiner Klasse mit ihren guten Seiten und auch ihren kleinen Macken, ebenso wie die Lehrkräfte, die mir umso präsenter sind, je mehr sie sich uns über ihre fachliche Kompetenz hinaus als Menschen offenbart haben.
Natürlich ist die HöV eine Bildungseinrichtung, die fachliches Wissen vermitteln muss, und der Zweck ihres Besuches ist der Erwerb dieses Wissens. Aber begreifen Sie sich in Ihrem Beruf nicht nur als der Vollstrecker geltenden Rechts. Werben Sie dafür, dass dieses Recht seinen Sinn hat und den Rahmen für unser aller Zusammenleben bildet. Begreifen Sie sich als eines der Rädchen in dem Getriebe, das sich freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat nennt und das zum Funktionieren darauf angewiesen ist, dass diese Rädchen mitwirken und sich drehen. Das ist oft anstrengend, oft langwierig und im Streitfall auch mal konfliktbeladen. Aber der freiheitlich-demokratische Rechtsstaat ist ein hoher Wert, den wir gemeinsam gegenüber den politischen Vereinfachern, den Populisten und den Geschichtsverdrehern verteidigen müssen. Für mich ist genau das der Sinn, der in dem Eid liegt, den wir auf unsere Verfassung geleistet haben.

